Wenn wir unzufrieden mit unserer Körperhaltung sind, haben wir meist den Gedanken, wir wären zu nachlässig und würden nicht genügend für eine gerade Haltung tun.

Im Feldenkrais sprechen wir lieber von acture (von engl. Handeln to act) statt posture (engl. Haltung), gehen also eher von etwas Dynamischen, als einer statischen Haltung aus. Denn das Leben ist eigentlich nicht statisch, wir bewegen uns ständig, auch ohne es zu merken. Statt eine bestimmte Körperhaltung anzustreben, gehen wir von der Fähigkeit aus, den Anforderungen des Moments entsprechend adäquat zu handeln. Wir brauchen eine andere Körperspannung wenn wir auf der Couch ausruhen möchten, als wenn wir schwere Gegenstände umhertragen. Es gibt also nicht die eine Lösung, die für jede Situation gilt.

Dr. M. Feldenkrais entlehnte fernöstlichen Weltanschauungen den Gedanken, dass sich unser intelligenter Organismus auf ideale Art zu organisieren weiß, solange wir ihn nicht absichtlich oder unbewusst daran hindern.

Was unsere Bewegungs- und auch Lebensqualität stört, ist häufiger ein zu viel als ein zu wenig: zu viel essen, zu lautes sprechen oder eben zu viel Anspannung während einer Tätigkeit. Das heißt wir selbst sind es, die aktiv etwas unternehmen, was uns selbst im Weg steht. In vielen Methoden würden wir bei einem Problem einen Plan zum Trainieren aufstellen, also ein Mehr an Aktion hinzufügen. Wir würden dann die Bauchmuskeln trainieren, um Rückenschmerzen zu begegnen. Der Vorschlag der Feldenkrais-Methode ist stattdessen eine Verfeinerung. Wir entwickeln die Expertise uns selbst beim Handeln wahrzunehmen. Bewegung steht hier als Stellvertreter für alle unsere Handlungen im Leben. So können wir immer präziser in jedem Moment abschätzen und selbst entscheiden: Was ist für mich genug? Welches zu viel sabotiert meine Bewegung, meine ideale Körperhaltung und mein Handeln in der Welt?

So entsteht die richtige Körperhaltung, die wir ursprünglich gesucht haben, eher als Nebenprodukt einer ganz neuen Einstellung uns selbst gegenüber.

Ihr wollt wissen, wie das geht? Hier eine geführte Bewegungsexploration für den Nacken:

Diese Stunde ist wunderbar, um der typischen Haltung vor dem Bildschirm entgegenzuwirken. Gleichzeitig ist es auch eine gute Stunde, um unseren Gleichgewichtssinn herauszufordern.
Wir beginnen liegend auf dem Rücken auf einer Matte oder Decke. Im Laufe der Lektion begeben wir uns ins Sitzen und ins Knien. Wenn ihr empfindliche Knie habt, polstert diese gerne aus.
Es geht in dieser Stunde nicht darum, irgendwelche Muskeln zu kräftigen, also bewegt lieber weniger und langsamer als ihr könnt und macht nur das, was sich für Euch gut anfühlt. Viel Spaß beim Entdecken und lasst mich wissen, welche Erkenntnisse oder Fragen bei Euch auftauchen!
Liebe Grüße Ada

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